John Engates’ Cloud-Prognosen für 2018

Ich habe das Glück, einen Großteil meiner Zeit im Austausch mit unseren Kunden und als Sprecher auf Konferenzen zu bringen. So bekomme ich einerseits mit wie die klügsten Köpfe weltweit auf Konferenzen aktuelle Trends bewerten und anderseits wie diese von unseren Kunden in der Umsetzung gesehen werden. Das umfasst alle Themen rund um Cloud Computing bis hin zu Geräten für das Smart Home und dem Wunsch einen Thunfisch vom Fang bis in die Dose zu verfolgen (dazu später mehr).

Jedes Jahr um diese Zeit setze ich mich dann hin und denke über das kommende Jahr nach: Welche Trends sehe ich? Welche Punkte kann man miteinander verbinden, damit ein großes Ganzes entsteht?

Natürlich schaue ich mir auch meine Vorhersagen des vergangenen Jahres an, um zu überprüfen, wie gut sie den vergangenen 12 Monaten standgehalten haben. Letztes Jahr habe ich über die Realität der heutigen Multi-Cloud-Welt geschrieben – Check! -, dass die Sicherheit schlechter würde, bevor sie sich verbessert – Check! – und dass das Internet der Dinge den Marsch in Ihre Häuser (und Autos) fortsetzt – Check!

Ich habe auch das Ende des Mooreschen Gesetzes vorhergesagt und dass der Wettbewerb bei Alternativen zu Silizium die ersten Player um die Ecke bringen wird – naja, was nicht ganz so passiert ist. Und ich habe den Aufstieg serverloser Architektur prognostiziert, der zwar definitiv geschieht, aber nicht in der Geschwindigkeit, die ich angenommen hatte. Auch dazu später mehr.

Ich gebe mir selbst insgesamt eine 2- für die Vorhersagen vom letzten Jahr.

Sicherheit, Rechtliche Rahmenbedingungen und der Aufstieg von Managed-Security-Service-Anbietern

Nachdem Datenlecks 2017 noch viel atemberaubendere Dimensionen angenommen haben – ich schaue in eure Richtung, Equifax -, bleiben Sicherheits- und Datenschutzthemen ganz heiße Eisen. Ich sehe hier zwei miteinander verzahnte Trends für das nächste Jahr: Die Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union und ein steigendes Vertrauen in die Anbieter von Managed-Security-Services.

Die DSGVO, die im Mai nächsten Jahres in Kraft treten soll, ersetzt die zwei Jahrzehnte alten Datenschutzverordnungen in Europa. Sie bietet Menschen neue Rechte, Zugriff auf die Daten zu erhalten, die Unternehmen über sie speichern. Sie setzt zudem höhere Standards für die Datenverwaltung und beinhaltet empfindliche Strafen für diejenigen, die sie nicht erfüllen.

Um diese Regelungen einzuhalten, benötigen global agierende Unternehmen tiefgehendes Wissen der Materie, verbunden mit technischen Kontrollmöglichkeiten, mit denen sie nachweisen können, dass sie die Gesetze einhalten. Die Kosten hierfür wie auch der Mangel an Fachwissen treiben Unternehmen, die früher vielleicht gedacht haben, dass sie es alleine schaffen, in die Cloud. Anbieter von Managed-Security-Services, die bereits Systeme aufgebaut haben und ihren Kunden helfen können, die DSGVO einzuhalten sind daher gute Berater, um Ressourcen und Expertise abzufangen. Es geht nicht mehr darum, ob man „in der Cloud“ weniger sicher ist. Jetzt geht es darum, ob Kunden überhaupt die Zeit, Energie und Ressourcen haben, um alle Anforderungen alleine zu meistern.

Für 2018 sage ich voraus, dass sich viel mehr Unternehmen an Managed-Security-Services-Anbieter wenden werden, wenn es um Multi-Cloud-Sicherheit und die Einhaltung der rechtlichen Verordnungen geht.

Industriespezifische Clouds werden zur Norm für viele Branchen

2017 hat sich die Realität der Multi-Cloud-Welt verfestigt, in der Unternehmen für jeden Prozess jeweils die Cloud-Plattform auswählen, auf der sich die beste Performance und Kosteneffizienz erreichen lässt. Für 2018 prognostiziere ich, dass industriespezifische Clouds der Normalfall werden.

Branchen haben spezielle Bedürfnisse, erfordern bestimmte Plattform-Merkmale und müssen mit den unterschiedlichsten gesetzlichen Vorgaben konform gestaltet sein. Da war es unausweichlich, dass Unternehmen sich nicht nur eine ganze Reihe von Cloud-Plattformen suchen, sondern diejenigen, die auf ihre spezielle Branche zugeschnitten sind.

Die Bereiche Gesundheit, Staat und Finanzen stellen offensichtliche Beispiele für Branchenfelder dar, die von einem höheren Grad an Angepasstheit profitieren würden. Genauso sind Energie, Biotechnologie und sogar der Handel gute Beispiele. In manchen Fällen hat die Industrie bereits die Initiative ergriffen und schafft eigene Clouds, wie etwa GE und Hitachi im Feld des industriellen IoT. Ich glaube, dass wir hier eine steigende Nachfrage sehen werden, getrieben von Verbänden und von Industriebündnissen, die auf das Teilen und Verbreiten von Informationen ausgelegt sind.

Außerhalb der Fachbranchen werden mehr Cloud-Service-Anbieter – zumindest die schlauen – Angebote entwickeln, die branchenspezifische Features, rechtliche Voraussetzungen und erforderliche Zertifikate von vornherein bieten. IDC nennt diese Angebote „industry collaborative clouds“. Und in ihrem neuesten ICT Markt-Update gehen die Analysten davon aus, dass die Hälfte aller Unternehmen in den nächsten zehn Jahren an solche Clouds angeschlossen werden.

Blockchain bewegt sich jenseits der Kryptowährungen

Wenn man „Blockchain“ sagt, denken die meisten Menschen direkt „Bitcoin“ – und wissen trotzdem noch nicht so recht, was das ist. Und obwohl Blockchain die Grundlage für Kryptowährungen darstellt, ist die Technologie eigentlich viel breiter aufgestellt und kann Daten strukturieren, speichern und sichern.

Wenn Blockchain als „distributed ledger“, also dezentrales Kontenbuch eingesetzt wird, dann besteht die „Kette“ aus miteinander verknüpften Datenblöcken oder Transaktionen, die verteilt in einem Netzwerk liegen, in dem es keinen zentralen Punkt gibt, der die Oberhoheit hat. Das ermöglicht es, dieses Kontenbuch über verschiedene Clouds und sogar Firmen hinweg zu teilen, ohne dass eine einzelne Partei die Macht hat, sie zu manipulieren. Wenn so Informationen über die Herkunft von Gütern, Identitätsdaten, Referenzen oder digitale Rechtepakete sicher gespeichert und geteilt werden können, dann hat das bedeutende Konsequenzen.

Erinnern Sie sich an den Thunfisch in der Dose vom Anfang? Eines meiner Lieblingsbeispiele für den Einsatz von Blockchain außerhalb des Finanzbereichs stammt von Provenance, einer britischen Software-Firma. Sie hat erfolgreich den Einsatz von Blockchain und Smart Tagging getestet, um Thunfisch vom Fang bis zum Verbraucher zu verfolgen. Damit können Sie unter anderem Aussagen zur Herkunft aus nachhaltigem Fischfang tatsächlich überprüfbar machen.

Während Kryptowährungen also nicht unbedingt die Zukunft sein werden, sieht es bei Blockchain durchaus danach aus.

Alibaba: Die asiatische Cloud steigert ihr weltweites Profil

Alibaba wächst in doppelter Hinsicht massiv: Es ist zum einen die einzige Cloud, die global aktiven Unternehmen den chinesischen Markt öffnet. Und zum anderen widmet das Unternehmen seit kurzem seine Aufmerksamkeit auch anderen Märkten. Alibaba hat Rechenzentren in Europa, Australien, Japan und dem Nahen Osten eröffnet.

Laut Gartner ist Alibabas Cloud-Geschäft 2016 explosionsartig um 127 Prozent gewachsen. Auf 675 Millionen Dollar, was es auf den dritten Platz hinter dem Spitzenreiter AWS und dem Zweitplatzierten Microsoft katapultiert (Rackspace ist übrigens Fünfter, hinter Google.)

Alibabas wachsende Dominanz war ein entscheidender Grund dafür, dass Rackspace in diesem Jahr Datapipe, unseren nächsten Wettbewerber, gekauft hat. Datapipe wurde letztes Jahr zu einem der weltweiten Managed Service Provider Partner von Alibaba. Jetzt hilft es sowohl chinesischen Unternehmen dabei, international zu expandieren als auch internationalen Unternehmen beim Einstieg in den chinesischen Markt. Die Skaleneffekte und weitreichenden Erfahrungen aus der Kombination von Rackspace und Datapipe werden zweifellos die Aufnahme der Alibaba Cloud als strategische Komponente in den Multi-Cloud-Strategien von Unternehmen beschleunigen.

Ich bin mir sicher, dass Alibaba ein grundlegend notwendiges Element für Firmen werden wird, die global aktiv sein wollen. Verstärkt dadurch, dass sie sich zunehmend mit den Realitäten der heutigen Multi-Cloud-Welt anfreunden.

Die Art, wie wir die Cloud nutzen, wird sich ändern

Nicht nur das, was wir in der Cloud tun – Blockchain, maschinelles Lernen, Internet of Things – verändert sich. Auch wie und wo wir die Cloud verwenden.

Als Beispiel: Erst letzten Monat haben Rackspace und Hewlett Packard Enterprise die erste Managed Private Cloud angekündigt, bei der nutzungsbasiert abgerechnet wird. Eine echte Revolution. Diese OpenStack Private Cloud bietet Kunden das Beste beider Welten – die Kosteneffektivität einer Public Cloud, die Sicherheit und Performance einer Private Cloud, von Experten verwaltet und als Service abgerechnet. Das hat das Potenzial, die Cloud in weitere Branchenfelder zu tragen, in denen Firmen bislang vielleicht gezögert haben, manche Prozesse in die Cloud zu verlagern.

Container-Anwendungen verändern ebenfalls die Art, wie wir die Cloud verwenden. Ich bin mir sicher, dass wir 2018 mit der Kubernetes-Plattform zur Cloud-Orchestrierung einen klaren Gewinner im Wettbewerbsfeld Container sehen werden. Die Beliebtheit von Kubernetes ist phänomenal. In 2018 werden Unternehmen echte Produktionsanwendungen auf der Plattform umsetzen.

Für 2018 und die folgenden Jahre erwarte ich außerdem einen Wandel darin, wie Entwickler die Cloud nutzen und wo sie ihre Anwendungen bereitstellen. Serverloses Computing, oder Functions-as-a-Service, wird die Verwendung der Cloud radikal vereinfachen und die Hürden für Software-„Bauer“ verringern, um sich die Vorteile von Cloud Computing zunutze zu machen.

Ich sage Bauer, weil sich auch verändern wird, wer Software schreibt. Wir sehen jetzt bereits Low-Code-Lösungen, die es Menschen erlauben, logische Argumente aneinander zu reihen und daraus Ergebnisse zu schaffen, wie etwa IFTTT (If this, then that).

Ich glaube, dass wir in der nahen Zukunft auch Software sehen werden, die mithilfe von Automatisierung oder Künstlicher Intelligenz geschrieben wird, gesteuert von untypischen Software-Entwicklern. Stellen Sie sich Business-Analysten oder Wissenschaftler vor. Worüber sie ihre Software bereitstellen, wird sich ebenfalls ändern, da zentralisierte Cloud-Datenzentren durch Kapazitäten direkt beim Anwender, ergänzt werden. Denken Sie an eingebaute Computer in Fahrzeugen, Fabriken und Geräten. Das serverlose Modell, Software zu bauen, vereinfacht die Kreation, Bereitstellung und Migration von Anwendungen und wird fundamental verändern, wer als Software-Entwickler auftritt.

Ich denke, viele dieser Vorhersagen sind gleichzeitig eine tolle Erinnerung daran, dass sich das Wesen der IT stets verändert.

Wir haben gesehen, wie Multi-Cloud zur Norm wurde, wie die IT-Transformation ein noch wichtigerer Aspekt für den Geschäftserfolg wurde – und jetzt sehen wir, wie sich die Art weiterentwickelt, wie wir die Cloud einsetzen. Daran sieht man gut, dass Wandel die einzige Konstante darstellt. Und es gibt mir die Möglichkeit, hier auch mal schamlos für Rackspace zu werben: egal, was Ihre IT-Anforderungen sind oder sein werden – was Organisationen erlaubt, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren – stellt wirklich einen Mehrwert für die Zukunft dar.

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John Engates joined Rackspace in August 2000, just a year after the company was founded, as Vice President of Operations, managing the datacenter operations and customer-service teams. Two years later, when Rackspace decided to add new services for larger enterprise customers, John created and helped develop the Intensive Hosting business unit.

Most recently, John has played an active role in the evolution and evangelism of Rackspace’s cloud-computing strategy and cloud products. John meets frequently with customers to hear about their needs and concerns, and to discuss Rackspace’s vision for the future of cloud computing. John currently serves as the company’s Chief Evangelist.

John is also an internationally recognized cloud computing expert and a sought-after speaker at technology conferences, including CA World, the Goldman Sachs Techtonics Conference and Cloud Expo. He speaks on the future of cloud computing, enterprise cloud adoption, data center efficiency, green data center best practices, and more.

Prior to joining Rackspace, John was a founder and General Manager at Internet Direct, one of the original Internet service providers in Texas.

John is a graduate of the University of Texas at San Antonio and holds a B.B.A. in Accounting.

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